Die häufigste Frage, die man mir nach dem Kauf älterer PC-Spiele aus meinem Ebay-Angebot stellt, ist:

Läuft das Spiel auch unter Windows XP?

Mit etwas Glück finden Sie passende Angaben in der Standardproduktbeschreibung von ebay. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht bereit bin, zusätzliche Garantien wegen Kompatibilitätsproblemen einzuräumen. Natürlich können Sie auch hierfür einfach Ihr Widerrufsrecht in Anspruch nehmen. Manchmal ist es aber einfacher und lukrativer das Spiel selbst wieder weiterzuverkaufen. Spielesammler mit PC-Kenntnissen geben sich beim Ausprobieren natürlich nicht damit zufrieden aufzugeben, wenn man die CD einlegt und die Installation auf dem üblichen Weg nicht funktioniert. Welche Möglichkeiten es noch gibt, habe ich Ihnen in den folgenden unverbindlichen Ratschlägen zusammengestellt.

Generell muss man sagen, dass z.B. Windows XP nicht 100% kompatibel zu früheren Windows-Versionen ist, und schon gar nicht zu DOS. Ausserdem ist Ihr Recher vermutlich nicht mehr kompatibel zu der Hardware, für die in den 80ern und 90ern programmiert wurde. Deshalb können Sie nicht erwarten, ein Oldie-Spiel einfach mit einem Klick auf Setup oder Install in Betrieb nehmen zu können.

Sie können zum einen versuchen, das Spiel auf dem vorhandenen Rechner zum Laufen zu bringen. Wenn es sich um ein Windows-Spiel handelt, stehen die Chancen ganz gut; ggf. sollten Sie die Kompatibilitätsmodi von Windows XP ausprobieren. Diese erreicht man über den Eigenschaften-Dialog des exe-Files vom Spiel. Die Kompatibilitätseinstellungen werden dann in einem Extrafile (name.pif) gespeichert. Statt des exe-Files kann man mit einem Doppelklick auf das PIF-File das Programm mit den gewählten Einstellungen ausführen. Das gilt auch für DOS-Programme, die Wahrscheinlichkeit, dass man sie zum Laufen bewegt, ist aber geringer. Eine ausführliche Abhandlung zu dem Thema (allerdings auf Englisch) steht unter: http://www.oldskool.org/guides/oldonnew/

Vielleicht haben Sie noch einen alten DOS-Rechner im Keller stehen; Sie können sich auch für wenig Geld einen zulegen oder versuchen, auf aktueller Hardware ein DOS mit Treibern für Sound, Maus, CD-Rom-Laufwerk usw. zu installieren.

Die dritte Möglichkeit sind Emulatoren: ein halbwegs aktueller PC (Athlon, 1-2GHz, 512 MB RAM) ist z.B. leistungsfähig genug, um DOS-Spiele aus der Mitte der 90er, die Videosequenzen von CD abspielen, per Emulation auszuführen. Die Emulation erreicht (heute) etwa einen 50 MHz-Prozessor.

Für DOS-Spiele: DosBox

Für DOS-basierte Spiele ist vielleicht am besten der Emulator DOSBox geeignet, weil er mit einer DOS-Umgebung mit eingebauter Maus- und CD-Unterstützung startet. Für DOS-Spiele muss man also nicht erst DOS, Treiber usw. installieren, sondern nur das Spiel selbst. In einem Konfigurationsfile legt man die Eigenschaften des emulierten Systems fest, z.B. die CPU-Geschwindigkeit, die Soundkarte und ein Verzeichnis auf der Festplatte, das als simulierte Festplatte dient und in dem z.B. gespeicherte Spielstände landen. Disketten und CDs können auf die Festplatte kopiert und von dort genutzt werden. Nicht immer geht es so einfach; auf der Website zum Projekt gibt es Kompatibilitätsinformationen zu knapp 3000 Spielen. Ausserdem gibt es für DOSBox Frontends, die die Arbeit damit und die Einrichtung vereinfachen. Das eingebaute DOS ist kein MS-DOS, funktioniert aber mit den meisten Programmen. Prinzipiell kann DOSBox auch Bootdisks booten, und man kann andere Betriebssysteme wie MS-DOS darunter installieren.

Für LucasArts-Adventures: ScummVM

Für viele Adventures von LucasArts (und einige andere) gibt es eine Speziallösung: ScummVM ist kein Emulator, sondern eine Re-Implementierung der Spielengines. Im Gegensatz zu einem Emulator laufen die Spiele also direkt unter dem gewohnten Betriebssystem, so ist es z.B. möglich, Monkey Island direkt unter Windows XP zu spielen. Auch hier gibt es eine Kompatibilitätsliste auf der Website. Insgesamt unterstützt ScummVM relativ wenige Spiele, aber für diese dürfte es einem Emulator vorzuziehen sein.

Die Emulatorlösung hat einige Pluspunkte: Sowohl DOSBox als auch ScummVM sind kostenlos und für Windows, Linux, MacOS und einen Haufen anderer Plattformen verfügbar. Ein Spiel, das normalerweise den Rechner exklusiv für sich beansprucht, läuft im Emulator nebenher im Fenster Manche Emulatoren erlauben es, jederzeit den Programmzustand abzuspeichern, unabhängig davon, ob das Spiel eine Speicherfunktion hat Man kann die Geschwindigkeit beliebig regulieren oder das emulierte Programm pausieren.

Was tun mit Disketten?

Heute gekaufte Rechner haben in der Regel kein Diskettenlaufwerk mehr; ein Laufwerk für 5,25"-Disketten schon gar nicht. Was macht man nun, wenn man ein Spiel auf Disketten ersteigert hat?

Vielleicht finden Sie Abzüge der Disketten auf einer sog. Abandonware-Website. Dort wird alte Software zum Download vorgehalten, von denen man annimmt, dass der Rechteinhaber kein Interesse mehr hat. Unnötig zu sagen, dass solche Websites sich am Rande der Legalität bewegen, aber für Besitzer eines Originals sind sie ganz nützlich.

Ansonsten fragen Sie den Geek um die Ecke, der hat sicher noch ein Diskettenlaufwerk und fertigt gegen ein kleines Bestechungsgeld Diskimages an. Sie können sich aber auch selbst ein Diskettenlaufwerk zulegen. Gebrauchte Laufwerke sind leicht und günstig zu finden, die meisten Motherboards haben immer noch einen Anschluss für die Laufwerke und alle gängigen Betriebssysteme unterstützen den Zugriff auf Disketten. 3,5 Zoll-Floppies gibt es auch als externe Laufwerke für den USB-Port.

Links

DosBox: http://dosbox.sourceforge.net
ScummVM http://www.scummvm.org

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